US-Aktien: neue Jahrestiefs für Dow Jones und S&P500
Anhaltend negative Nachrichten aus dem Finanzsektor, der fortgesetzte Höhenflug der Ölpreise, schwache Konjunkturdaten und Befürchtungen über deutlich niedrigere Gewinnaussichten für 2008 und 2009 drückten im gesamten Juni stark auf die Aktienkurse.
Die im Mai und Juni an dieser Stelle wiederholt herausgestellten Risiken eines bevorstehenden Endes der Erholung und neuer Jahrestiefststände an den US-Aktienbörsen haben sich in weiten Teilen sehr schnell bewahrheitet. Dow Jones, S&P 500 und die Finanzwerte markierten Ende Juni/Anfang Juli neue Jahrestiefs, während Nasdaq und Russel 2000 sich noch über ihren Tiefs vom März halten konnten. Der Ausblick bleibt sehr vorsichtig, denn RCM geht unverändert von negativen Gewinnrevisionen auch in vielen Sektoren jenseits der Finanzwerte aus. In den kommenden Wochen dürften von dieser Seite noch erhebliche Belastungen für den Markt erwachsen. Es ist weiter eine defensive Portfolioausrichtung anzuraten.
Das größte Risiko für diesen bearischen Call liegt beim Ölpreis. Eine stärkere Korrektur würde Inflations- und Konjunktursorgen reduzieren und Aktien sehr wahrscheinlich unterstützen - zumindest zeitweilig.
Die erwartete kurzfristige Erholung ist eingetreten und befindet sich nach Einschätzung von RCM in ihrem letzten Drittel. Die Auslöser (überverkaufte Situation, technische Faktoren, extrem negatives Sentiment) haben sich zum Großteil abgebaut und stehen neuerlichen Kursverlusten nicht mehr im Wege. Bei derartigen mittelfristigen Gegenbewegungen hat sich oft der 200-Tagesschnitt als unüberwindlicher Widerstand erwiesen. Dieser liegt im S&P derzeit bei 1434 – aus der Sicht von RCM das maximale Ausmaß der aktuellen Bärenmarktrallye.
Europa-Aktien: neue Jahrestiefs, Ausblick noch negativ
Zu Jahresbeginn verschärfte sich die Situation an den Credit-Märkten und die Aktienmärkte konnten sich dem nicht länger entziehen. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im Anschluss an die Rettungsaktion der Fed (Zusammenbruch von Bear Stearns) setzten ab Ende Mai neuerlich Kursverluste ein. Der Finanzsektor steht dabei weiterhin im Mittelpunkt. Spekulationen über weitere Milliardenabschreibungen sorgen immer wieder für Verunsicherung. Die umfangreichen Kapitalerhöhungen waren bis jetzt noch nicht in der Lage, das Vertrauen nachhaltig zu stärken und konnten ohnehin nur einen Teil der Verluste in den Bilanzen kompensieren.
Der Blick auf die Kursentwicklung der europäischen Aktienmärkte verdeutlicht die verstärkte Abwärtsdynamik im Juni. Auch in Europa waren in fast allen Sektoren in den letzten Monaten negative Gewinnrevisionen zu beobachten, wobei das Ausmaß zuletzt deutlich zugenommen hat. Für die breiten europäischen Indizes liegt das erwartete Gewinnwachstum für 2008 aktuell zwar nur mehr im niedrigen einstelligen Bereich, RCM sieht die „bottom up“-Schätzung für 2008 jedoch nach wie vor als zu optimistisch an und erwartet daher vorerst noch ein Anhalten des negativen Revisionstrends.
Während in den letzten Quartalen vor allem der konjunkturelle Ausblick das Marktgeschehen dominiert hat, rückt das Thema Inflation zunehmend in den Vordergrund. Während etwa im März die Aussichten auf sinkende Leitzinsen (Fed und EZB) den Märkten Unterstützung boten, scheint sich der Fokus der wichtigsten Notenbanken klar in Richtung Inflationsbekämpfung verschoben zu haben. Dies lässt sich auch an der zuletzt positiven Korrelation zwischen den Kursen von Anleihen und Aktien ablesen.
RCM bleibt insgesamt skeptisch, dass die Korrekturphase bereits abgeschlossen ist. Die Unternehmensdaten deuten verstärkt darauf hin, dass die konjunkturelle Abschwächung an Breite gewinnt. Aus Bewertungssicht sind die europäischen Aktienmärkte trotz der noch anstehenden negativen Gewinnrevisionen attraktiv, insbesondere im Vergleich zu Anleihen. Die Kurse spiegeln aus Sicht von RCM bereits erheblichen „Gewinnwachstums-Pessimismus“ wider.
Globale Emerging Markets: Inflation immer problematischer
Die globalen Wachstumsaussichten für Emerging Markets stehen auf gutem Fundament. Die Inflationsraten sind zuletzt jedoch weiter kräftig gestiegen. Haupttreiber sind die weltweit höheren Lebensmittel- und Energiepreise, die in den Schwellenländern einen deutlich größeren Anteil des Warenkorbes ausmachen als in den Industrieländern und deutlich stärker auf große Teile der Bevölkerung wirken.
Bei einem Vergleich der relativen Performance zeigt sich, wie robust sich Schwellenländer in einem Umfeld von Rezessionsängsten und Kreditkrise bislang insgesamt gegenüber den entwickelten Märkten gehalten haben. Die einzelnen Länder und Regionen haben sich dabei allerdings überaus heterogen gezeigt. Getragen wird die robuste Performance der Emerging Markets v.a. von Lateinamerika, das sich deutlich von den anderen Regionen abhebt. Grund dafür sind anhaltend starke Rohstoffpreise, die einen Großteil südamerikanischer Exporte ausmachen. Abgesehen von Mexiko ist auch die Abhängigkeit zur USA meist geringer als vermutet. Bei fallenden Rohstoffpreisen ist in dieser Region jedoch mit den stärksten Kursverlusten zu rechnen. Demgegenüber kamen die Aktienmärkte in stark von Rohstoffimporten abhängigen Staaten, wie z.B. Indien und China, massiv unter Druck (ca. 30-40% Kursverluste seit Jahresbeginn).
Längerfristig bleiben die Aussichten für Emerging Markets insgesamt positiv, wenngleich sich das Bild zunehmend eintrübt. Wirtschaftsdaten und Unternehmensergebnisse der einzelnen Länder zeigen mittlerweile leichte Schwäche auf (noch) hohen Niveaus.
In den ersten 6 Monaten dieses Jahres kam es aufgrund der hohen Marktunsicherheit bei internationalen Anlegern zu sehr volatilen Mittelflüssen. Insgesamt wurde heuer bereits ein Investitionsvolumen von USD 11,5 Mrd. abgezogen; historisch betrachtet war 2002 das letzte Jahr mit einem negativen Zuflussergebnis.
Quelle: Raiffeisen KAG / Angaben ohne Gewähr
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